Tourtag 02 0923 Lezardrieux – Pleubian - Sillon de Talbert
(weitere Bilder folgen)
Die wunderschöne Kirche „Eglise Saint-Georges“ in "Pleubian" war zum Glück geöffnet, und so konnte ich den Innenraum bewundern, wobei die Holzstühle und Raumdekorationen zum kurzen Ruhen einluden.
Ich verließ die Hauptstraße in Richtung Kermagen, wo mich dann endlich das Meer wieder hatte. Ein Stück weit ein üblicher Strand, und doch waren hier Veränderungen gegenüber sonst zu registrieren. Stück für Stück kam ich einem Felsenmeer näher, wo auch teils weiße große Felsen in meinen Gedanken Figuren oder natürliche Kunstwerke abgaben. Interessante Formen und Gruppen an Steinen ließen mich vom üblichen Pfad abkommen, so das ich teils kletternd, teils über große Steine schreitend einen weiteren Teil meiner Strecke zurücklegte. Alleine war ich in dieser wie eine Mondlandschaft wirkenden Welt, wo mich ein Motiv nach dem anderen interessierte. Manchmal war durch die großen Felsen das Wasser in der Ferne nicht zu sehen, und manchmal genoss ich auf diesem Stück die Einsamkeit ohne zusätzliche Wanderer. Ich verinnerlichte die Eindrücke auf einem Felsen ruhig sitzend. Es gab Beispiele, wobei zum Beispiel mitten in dieser weißen und grauen Felsenwelt ein fast Anthrazit dunkler Felsen wie ein Einzelgänger vor mir lag, oder unterhalb der Düne eine fast in Reihe und Glied stehende Steinformation stand, welche mit viel Phantasie Figuren darstellen könnten. Nicht jeder kann es nachvollziehen, wenn man solche geballten Flächen an grober Natur vorzieht gegenüber einem schönen Sandstrand, dort sitzend auf einem Handtuch oder einer Decke. Wie an vielen anderen Stellen kann ich immer wieder zum Beobachten ausharren und schauen, was uns die Natur an Kunst überlassen hat. Aber auf einer Tour muss es weitergehen, so bleibt mir auf einer solchen Strecke nichts anderes übrig, als die Eindrücke bildlich wie auch gedanklich einzufrieren.
Mittlerweile war ich auch wieder auf dem Weg, der zu meinem eigentlichen Ziel führen sollte. Sichelförmig führten kleine Landzungen aus Steinen bestehend zum Wasser, wobei auch ein kleiner Bootshafen zu sehen war.
Am großen Parkplatz wurde es wie gewohnt an diesen ländlichen Hotspot wieder voller. Ob mit Autos, Wohnmobilen oder Bussen angefahren, Touristen müssen dort tiefe sandige Pfade begehen, um die zirka 35 mtr breite und 3 Kilometer ins Meer hineinragende Landzunge zu erreichen. Diese wurde von Steinen und Kieseln der voneinander entgegenlaufenden Strömungen der bereits erwähnten Flüsse „Trieux“ und „Jaudy“ gebildet. Hier und da gibt es in Massen Blaudisteln, Seekohl und Seerettich wie auch viele Nistplätze diverser Seevögel.
Leider gab es für mich ein abruptes Ende am Anfang der Landzunge, denn neben den üblichen Wanderern machte sich dort eine große Masse zum Teil laut schreiender Schüler von vielleicht zwei Schulklassen und Aufsichtspersonen ebenso auf den Weg. Manchmal sind es kurze Entschlüsse, um das Programm zu ändern, wobei ich immer im Guten mit mir bin, sollte ich dadurch mal etwas verpassen. Wann kommt man an Stellen wie diesen vorbei?
Bevor ich nun von „L’Amor“, der dortigen Küstenstadt zu Fuß und per Linienbus nach Lezardrieux zurückkehrte, nutzte ich die Terrasse und Bar zwecks WC und einer kleinen Pause. Ein eiskaltes blondes Getränk mit feinem Schaum und ein Stück Baguette mit feinsten schmierigen Kräuterkäse in der Sonne sitzend gaben mir das Gefühl, trotz des Verzicht für das ein oder andere Stück Strecke an dem Tag glücklich zu sein, da ich wieder einmal eine für mich interessante und faszinierende Gegend kennenlernen durfte.
Müsste ich entscheiden, würde ich eine Lebensweise in einer wie dieser abwechslungsreichen Gegend, wie auch lebendigen Küste mit kleinen, aber wuchtigen Landhäusern vorziehen. Daher machte es mir gar nichts aus, für eine Weile mal den Weg am Wasser mit Wegen und Straßen im Landesinneren zu tauschen. Schlichte blaue Farben am Holz der Gebäude und Pflanzen und Hecken auf den jeweiligen Grundstücken hinter den heftigen Steinmauern erzeugten immer wieder ein Ambiente zum Wohlfühlen.

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