Mein zweiter Tag in
Saint-Malo begann mit einer Begehung auf dem Camping-Platz, Anmeldung und
Besuch der sanitären Anlagen, dem checken nach Stromversorgung, und
natürlich ganz wichtig, dem Kaffee kochen für das Frühstück.
Ich fand mich auf
einem Camping-Platz wieder, welcher auf Anhieb meinen Ansprüchen
entsprach.
Finanziell,
menschlich und strukturell war ich hier passend, ein guter Anfang für
die erste Tour mit hohen Zielen, die ich schon an diesem Morgen so
entschied. Keine lange Überlegung war es wert, einen Anfang bezüglich der Fernwanderung auf dem
Zöllnerpfad zu wagen und durchzuführen. Ich machte am Morgen die Augen auf, und sofort war mir klar, mir selbst nicht das Abenteuer zu nehmen, in dem ich folgend nur zwecks SightSeeing-Tour in Saint-Malo aufschlug. Wie so oft im Leben, ich entschied mich für eine Herausforderung.
Am Empfang wurde ich
freundlich aufgenommen, bekam sofort Hilfsmaterial wie Karten,
Stadtplan und freute mich dabei über die passende englische
Kommunikation.
Ich war recht gierig
auf das loskommen, war ich doch neugierig auf die Strecke der Küste
entlang, Infrastruktur vor Ort, na, und natürlich auf das ein oder
andere optische Highlight.
Der Weg war schnell
in die Stadt gefunden, die passende Bushaltestelle dazu auch.
Es war fortan die
Bushaltestelle für die kommenden Tage, hier vom Maupertuis Hospital
fuhr die Linie 5 nach Cancale, dem Startpunkt meiner ersten Tagesetappe
auf dem GR34.
Zuerst überrascht,
aber schon schnell an Zeiten im Burgund erinnert war viel Freude da,
als ich das Ticket für zirka 15 Kilometer Landstrecke für 2,50€
entgegennahm. So erging es mir fast täglich auf den Touren, wenn ich
wegen des festen Schlafplatz täglich den Bus nutzte.
Ein Unterschied zu
unseren heimatlichen Fahrpreisen im ÖPNV.
Daheim ewig das
Beispiel von ca 14,-€, die ich zwischen Leverkusen von der Fernbus
Haltestelle bis nach Wuppertal Langerfeld zahlte, davon allein 3,-€
für die Busfahrt von Oberbarmen nach Langerfeld.
Im Vergleich, je
nach Bus/Bahnverbindung zwischen Rennes bis Saint-Malo bei zirka 70
Kilometern, da sind es ungefähr nur 7,00€ - 14,-€.
Beim einchecken auf
dem Camping-Platz fand ich einen recht praktischen Begleiter für die
kommende Zeit an der Küste. Ein übersichtliches Faltblatt mit Karte
und regionalen Hinweisen. Nach und nach deckte ich mich mit Ersatz
davon ein, da es kostenlos und recht nützlich war, und mich täglich
begleiten sollte. Bei meiner ersten Busfahrt über Land konnte ich
mich an der Karte orientieren, wo ich mich jeweils befand.
Mich überraschte
ein bunter Mix der Gegend während der Fahrt. Freudig genoss ich die
Fahrt mit dem Gefühl, alles bis hierhin von Planung und Durchführung
richtig gemacht zu haben. Heftig und schnell war der Fahrstil, und
trotzdem hatte ich viel Zeit Eindrücke als Fahrgast zu sammeln.
Und diese gab nicht nur optisch.
Ob im Stadtverkehr
von Saint Malo wie auch auf weiterer Strecke lernte ich eine
Verhaltensweise von Busfahrer wie auch Fahrgästen kennen, die mich
und meine Freude prägte für die weiteren Aufenthalte an der
bretonischen Küste.
Freundlichkeit pur!
Ich musste immer
wieder mehrmals hingucken und zuhören, ob ich das alles wirklich
erlebte, ob es sich wirklich dauernd wiederholte. Und das bei jeder
Busfahrt, an jedem Tag meiner neun Wandertage .
Das Schauspiel
wickelte sich folgend immer gleich ab. Und immer wieder mit
verschiedenen Statisten, Menschen die als Fahrer oder Fahrgäste die
jeweilige Busfahrten nutzten.
Ob in der Stadt oder
auf dem Land.
Da ich wie schon
angedeutet kein Französisch spreche, war es der Deutung her immer
gleich mit lieben und netten Gesten.
Die Tür im hinteren
Bereich öffnete sich, die Fahrgäste drehten sich zum Busfahrer/in mit
Danksagung und Verabschiedung, der oder die zurückblickende
Busfahrer/in beantworteten dies immer wieder freundlich mit gleichen
Gesten. Ein immer wieder gleicher Ablauf bis die Mitfahrer
ausgestiegen waren.
Ich gewöhnte mich
recht schnell an ein freundliches Merci und Au revoir in Richtung
Busfront, wenn ich dann halt am Ausstieg stand. Und ich war ganz schnell
in einer neuen Welt von Respekt und Freundlichkeit angekommen, wie
sie im Alltag in der Großstadt weniger üblich ist.
Und dazu bemerkte
ich immer mehr, das diese Art von Tour genau mein Ding war, und
bleiben wird. Vieles ist mit dem eigenen PKW gewiss einfacher, aber
zeitlos mit anderen Menschen direkt und nahe zusammen zu treffen,
oder räumlich als Mitfahrer unterwegs zu sein, sah ich als
Bereicherung an. Denn auch wenn es verschiedene Welten der Sprachen sind, irgendwie kam es immer wieder zu Dialogen, egal wie.
Noch nicht wissend
was mich am ersten Tag entlang der Strecke erwarten wird, wartete ich
gelassen auf die Ankunft in Cancale. Eine Kleinstadt am Wasser, wovon
ich bislang nur wusste, das es eine Hochburg für die Austernzucht
ist.
Der Bus stoppt am
Platz an der Église Saint Méen. Direkt fachte ein altes Feuer in
mir auf, Kirchen egal wie groß und in welcher Art zu besichtigen.
Ein stiller Besuch, ein kurzes Gebet, und bereit war ich für den
Grande Randonnée 34 (GR34).
Den Flyer, den ich
dort entdeckte würde ich später noch recht gut gebrauchen.
Natürlich verstand ich das Geschriebene nicht, doch ein kleines
abgebildetes Bild darauf inspirierte mich für ein weiteres Holzmotiv
meiner Arbeiten daheim.
Ein Kreuzmotiv
welches gefüllt mit Punkten war, sprich mit darstellenden Menschen.
Später von mir
gefertigt mit Hilfe zahlreicher Astschnitte, die auf Bretter stehend
geklebt wurden.
Anstatt das ich den
Weg zum Hafen suchte um symbolisch den passenden Einstieg zu finden,
ging es durch viele nette kleine Gassen in nördlicher Richtung aus
der Stadt heraus. Zu sehr verließ ich mich auf Google-Map, den
kürzesten Weg zu finden. Somit verpasste ich eine der schönsten
Stellen Cancales, dem direkten Hafenzugang mit Blick auf den
Leuchtturm und den bei Ebbe freiliegenden Austernbänken.
Von heute auf morgen
sozusagen aus der Betonkistenwelt zu diesen malerischen Küstenort,
wo ich direkt zum Anfang die bunte Pfanzenwelt bestaunte. Nach begehen der Siedlung La Broustière kam
ich endlich auf einen grasigen Weg, der mir zum Eingang erstmals das
auf Dauer begleitende Hinweisschild zeigte, GR34.
Stop, bevor ich nun
meinen bunten Weg begann, nahm ich das Telefon und rief
meine Mutter an. Mir war es warum auch immer wichtig mitzuteilen, das
ich jetzt offiziell starte, dazu blickte ich zum Himmel um meinen
Vater zu grüßen, mit dem Hinweis, jetzt in diesen Moment total
glücklich zu sein.
Von dort an startete
ich einen Weg, der nicht nur optisch wie physisch etwas ganz
Bedeutsames für mein nun kommendes Leben sein sollte, es war auch
der Start zu einem neuen Ich auf vorerst neun Etappen, unterbrochen
von einer Wochen zwischendurch.
Einige Minuten
schwebte ich hüpfend auf dem schmalen Weg, bis ich dann endlich auf
dem richtigen Pfad angekommen war.
Von nun an sollte
ich bis vorerst Cap Frehel in zwei verschiedenen Wochen nur auf
diesem Weg unterwegs sein, bis auf Ausnahmen, wo es am Tages-
oder jeweiligen Etappenende zum jeweiligen Campingplatz zurückging.
Eine eiserne
Disziplin bewahrte ich nun täglich, wenn machbar nur auf der
Strecke zu bleiben, der Weg war das Ziel, jede Freizeit wie baden,
Sehenswürdigkeiten standen jeden Tag hinten an.
Essen, Trinken,
praktisch die gesamte Nahrungsaufnahme waren dem täglichen Ziel, dem
jeweiligen Inhalt des Geldbeutels angepasst.
Mein Ehrgeiz packte
mich so dermaßen, das ich natürlich mit ansehen und inhalieren
eines jeden schönen Motivs auf der Strecke, immer das tägliche Ziel
hatte, die vorgenommene geplante Strecke zu gehen, um die gesamte
Strecke irgendwann komplett entlang der bretonischen Küste zu
schaffen.
Völlig überrascht
war ich von diesem lebendigen Bild des Weges. Wahrlich wie ein
Pilgerweg schlängelte er sich zum Anfang in einer Mischung durch
Gehölz, entlang der steilen Steinküste, und jeweils an Buchten
hinab und hinauf, mal auf roten Sand, Wurzeln oder Steinen.
Nie hatte ich es mir
vorher so vorstellen können. Angefangen, und sofort solch eine Optik
präsentiert zu bekommen, das auf einem Wanderweg.
Strand und
Küstenatmosphäre an einem sonnigen und blauen Tag. Das auf und ab
des Wassers, und direkt zum Anfang das Panorama mit idyllischen
Blicken auf ein kleines Eiland mit dem Namen
„Île des
Rimains“.
Kleine Inseln,
welche mit Gebäuden bestückt waren. Diese wurden unter anderem
früher als militärische Stützpunkte genutzt, als zu Zeiten im
Mittelalter Schiffe zwischen den Granitinseln und dem Festland
verkehrten. Granitstein war und ist ein hochwertiges Material, um zum
Beispiel Kathedralen und Kirchen zu bauen.
An jedem Tag waren
nun kleine Inseln vor dem Festland stille Begleiter auf der Strecke.
Mal ragten ihre Spitzen aus dem jeweiligen Flutwasser heraus,
und schon wenige Stunden später waren sie bei Ebbe mit ihren Ecken
und Kanten großflächig anzusehen.
Nach einigen
Kilometern erreichte ich die felsige Landspitze „Pointe du Grouin“.
Hier angekommen musste ich schnell für den weiteren Verlauf lernen,
das im Internet gesehene Punkte nicht immer optisch das versprechen,
was man bei der Bildbetrachtung daheim gesehen hat. Nicht, das es vom
Anblick her hässlich war, aber es war voller Tagestouristen.
Mein negatives
Empfinden drückte ich aber schnell beiseite, denn zu schön waren
die nahe Umgebung und die weiten Blicke. Die Blicke reichten bis zur
Normandieküste mit dem Ort „Granville“ und „MontSaintMichel“,
wo 2015 das Fieber für diese Küste entfacht wurde.
Die langgezogene
„Île des Landes“ liegt direkt daneben als Naturschutzgebiet und war seit einigen Kilometern auf der Strecke sichtbar.
Schnell hatte ich
die Landspitze hinter mir, von nun an waren es nur wenige, die den
teils schmalen Küstenpfad wie ich nutzten.
Waren es
landschaftlich an der Ostküste mehr die vielen Buchten mit
Sportbooten, so ging es nun hier an der Nordküste am Ärmelkanal
etwas rauer zu. Zickzack war nun der Wegverlauf mit den zahlreichen
Buchten. Markante Felsen, die zwischen dem Weggrün und dem Blau des
Wassers und des Himmels immer wieder heraus ragten.
Unterbrochen von der
ein oder anderen Sandbucht, die wenn zeitlich möglich, zum chillen
einluden.
An einem der Strände zwang ich mich zur Pause. Nutzte dort zumindest das kalte
Nass an den Füßen und lehnte mich an Felsen um während des Ruhens
das Strandleben aufzusaugen.
Der Sand, irgendwie
so anders, als wie ich ihn von Nord- oder Ostsee, oder auch vom
Mittelmeer in Erinnerung hatte.
Lange wollte ich
hier nicht verweilen, da ich noch keine Info bezüglich der
Abfahrtermine der Buslinien hatte, und, eigentlich hatte ich nun
am ersten Tourtag sehr viel gesehen und erlebt.
Und doch, da wartete
noch etwas. Nach umrunden der Felsen am „Pointe du Nid“.
Denn dahinter am „Plage
du Guesclin“ war die eine Bushaltestelle mit einer Verbindung nach Saint Malo, und dort fiel mir eine kleine Insel auf, auf der eine recht große
Villa zu sehen war. Viele Geschichten gibt es über den Standort.
Nur bei Ebbe gab es
die Möglichkeit, das kleine Eiland „Ile du Guesclin“ zu betreten.
Der erste Tourtag
war nun vollbracht, was fehlte, war die Heimkehr zum Zeltplatz. Und das sollte
anfangs noch einmal ‘ne harte Aufgabe werden. Noch nicht vertraut
mit den Buslinien und deren Fahrtzeiten, stand ich dort am
Strandparkplatz und musste feststellen, das recht wenige Fahrzeiten
vorhanden waren. Hier für den Tag wohl keine mehr. Vielleicht geht auf
der Linie vom Vormittag noch etwas, womit ich von Saint-Malo nach
Cancale fuhr. Diese mögliche
Bushaltestelle war aber noch einige Kilometer in Richtung Landstraße
entfernt, so das ich gezwungen war, erst einmal zu Fuß auf dem
Asphalt der Strandstraße weiter zu gehen.
Zum Schrecken auch
erst einmal ein ziemliches Stück bergauf.
Und somit sah fast täglich die Summe der gelaufenen
Kilometer anders aus, als wie die angegebenen auf dem wirklichen
Wanderweg.
Irgendwann überkam
es mich, bestimmt weil müde und schlapp, bei jedem vorbei fahrenden
Auto den Arm zu heben und den Daumen hoch zu halten.Tatsächlich dauerte
es nicht lange und am nächsten Randstreifen hielt ein Auto mit einem
jungen Pärchen. Erste Anfrage meinerseits war, ob sie englisch
sprechen, beziehungsweise mich in Richtung Saint-Malo mitnehmen könnten.
Ganz schnell war sie als Beifahrerin ausgestiegen und machte mir auf
dem Rücksitz Platz. Die Sitzfläche war reichlich gefüllt, es sah
mir nach einer Anreise in den Urlaub aus. Ein wahrscheinlich
umgekippter Karton hatte eine Menge an Mundschutz weit verstreut, das
musste alles erst einmal beiseite geräumt werden. Natürlich kam die
freundliche Aufforderung, das ich mir Mund und Nase während der
Fahrt bedeckte.
Nun, wir kommunizierten nun zu dritt während der Fahrt aus einem
Mix aus
französisch, englisch und Deutsch. Sie sprach
französich und etwas englisch, er französisch und Deutsch, soweit er konnte, da er für ein Semester in Deutschland studierte, - na und
ich hangelte mich dadurch mit englischen Wortfetzen, um zu antworten.
Da, wo ich Viertel
mit vielen Ferienwohnungen vermutete, stieg ich aus, und es
ging der langen Strandpromenade entlang in Richtung Stadtmauer und
Altstadt. Dort fand ich einen Supermarkt, kaufte Proviant und machte mich auf den Berg in Richtung
Alet auf, um dort noch ein wenig Leben auf dem Camping-Platz
mitzuerleben, bevor es bei Dämmerung ins Zelt in den Schlafsack ging.
In der
Sommerferienzeit bemühen sich viele Campingplatz Betreiber, täglich abwechselnde Programme oder verschiedene Foodangebote anzubieten. Künstler, Programm für Kinder wechseln sich jeden Abend ab, wie auch Anbieter für Pizza-, Fritten- Galette oder auch Crepe.
Podcast/Hörfassung Tourtag01 GR34meinbunterWeg
 |
| Rot markiert die Wanderstrecke des GR34, ca 2000km |
GR34 Der Zöllnerpfad

Ile de Landes

Ile du Guesclin
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