Dienstag, 15. November 2022

Tourtag 01 Cancale - Plage de Gueslin

Mein zweiter Tag in Saint-Malo begann mit einer Begehung auf dem Camping-Platz, Anmeldung und Besuch der sanitären Anlagen, dem checken nach Stromversorgung, und natürlich ganz wichtig, dem Kaffee kochen für das Frühstück.
Ich fand mich auf einem Camping-Platz wieder, welcher auf Anhieb meinen Ansprüchen entsprach.
Finanziell, menschlich und strukturell war ich hier passend, ein guter Anfang für die erste Tour mit hohen Zielen, die ich schon an diesem Morgen so entschied. Keine lange Überlegung war es wert, einen Anfang bezüglich der Fernwanderung auf dem Zöllnerpfad zu wagen und durchzuführen. Ich machte am Morgen die Augen auf, und sofort war mir klar, mir selbst nicht das Abenteuer zu nehmen, in dem ich folgend nur zwecks SightSeeing-Tour in Saint-Malo aufschlug. Wie so oft im Leben, ich entschied mich für eine Herausforderung. 
Am Empfang wurde ich freundlich aufgenommen, bekam sofort Hilfsmaterial wie Karten, Stadtplan und freute mich dabei über die passende englische Kommunikation.
Ich war recht gierig auf das loskommen, war ich doch neugierig auf die Strecke der Küste entlang, Infrastruktur vor Ort, na, und natürlich auf das ein oder andere optische Highlight.


Der Weg war schnell in die Stadt gefunden, die passende Bushaltestelle dazu auch.

Es war fortan die Bushaltestelle für die kommenden Tage, hier vom Maupertuis Hospital fuhr die Linie 5 nach Cancale, dem Startpunkt meiner ersten Tagesetappe auf dem GR34.
Zuerst überrascht, aber schon schnell an Zeiten im Burgund erinnert war viel Freude da, als ich das Ticket für zirka 15 Kilometer Landstrecke für 2,50€ entgegennahm. So erging es mir fast täglich auf den Touren, wenn ich wegen des festen Schlafplatz täglich den Bus nutzte.
Ein Unterschied zu unseren heimatlichen Fahrpreisen im ÖPNV.
Daheim ewig das Beispiel von ca 14,-€, die ich zwischen Leverkusen von der Fernbus Haltestelle bis nach Wuppertal Langerfeld zahlte, davon allein 3,-€ für die Busfahrt von Oberbarmen nach Langerfeld.
Im Vergleich, je nach Bus/Bahnverbindung zwischen Rennes bis Saint-Malo bei zirka 70 Kilometern, da sind es ungefähr nur 7,00€ - 14,-€.

Beim einchecken auf dem Camping-Platz fand ich einen recht praktischen Begleiter für die kommende Zeit an der Küste. Ein übersichtliches Faltblatt mit Karte und regionalen Hinweisen. Nach und nach deckte ich mich mit Ersatz davon ein, da es kostenlos und recht nützlich war, und mich täglich begleiten sollte. Bei meiner ersten Busfahrt über Land konnte ich mich an der Karte orientieren, wo ich mich jeweils befand.

Mich überraschte ein bunter Mix der Gegend während der Fahrt. Freudig genoss ich die Fahrt mit dem Gefühl, alles bis hierhin von Planung und Durchführung richtig gemacht zu haben. Heftig und schnell war der Fahrstil, und trotzdem hatte ich viel Zeit Eindrücke als Fahrgast zu sammeln.

Und diese gab nicht nur optisch.
Ob im Stadtverkehr von Saint Malo wie auch auf weiterer Strecke lernte ich eine Verhaltensweise von Busfahrer wie auch Fahrgästen kennen, die mich und meine Freude prägte für die weiteren Aufenthalte an der bretonischen Küste.

Freundlichkeit pur!

Ich musste immer wieder mehrmals hingucken und zuhören, ob ich das alles wirklich erlebte, ob es sich wirklich dauernd wiederholte. Und das bei jeder Busfahrt, an jedem Tag meiner neun Wandertage .

Das Schauspiel wickelte sich folgend immer gleich ab. Und immer wieder mit verschiedenen Statisten, Menschen die als Fahrer oder Fahrgäste die jeweilige Busfahrten nutzten.
Ob in der Stadt oder auf dem Land.
Da ich wie schon angedeutet kein Französisch spreche, war es der Deutung her immer gleich mit lieben und netten Gesten.
Die Tür im hinteren Bereich öffnete sich, die Fahrgäste drehten sich zum Busfahrer/in mit Danksagung und Verabschiedung, der oder die zurückblickende Busfahrer/in beantworteten dies immer wieder freundlich mit gleichen Gesten. Ein immer wieder gleicher Ablauf bis die Mitfahrer ausgestiegen waren.
Ich gewöhnte mich recht schnell an ein freundliches Merci und Au revoir in Richtung Busfront, wenn ich dann halt am Ausstieg stand. Und ich war ganz schnell in einer neuen Welt von Respekt und Freundlichkeit angekommen, wie sie im Alltag in der Großstadt weniger üblich ist.
Und dazu bemerkte ich immer mehr, das diese Art von Tour genau mein Ding war, und bleiben wird. Vieles ist mit dem eigenen PKW gewiss einfacher, aber zeitlos mit anderen Menschen direkt und nahe zusammen zu treffen, oder räumlich als Mitfahrer unterwegs zu sein, sah ich als Bereicherung an. Denn auch wenn es verschiedene Welten der Sprachen sind, irgendwie kam es immer wieder zu Dialogen, egal wie. 
Noch nicht wissend was mich am ersten Tag entlang der Strecke erwarten wird, wartete ich gelassen auf die Ankunft in Cancale. Eine Kleinstadt am Wasser, wovon ich bislang nur wusste, das es eine Hochburg für die Austernzucht ist.

Der Bus stoppt am Platz an der Église Saint Méen. Direkt fachte ein altes Feuer in mir auf, Kirchen egal wie groß und in welcher Art zu besichtigen. Ein stiller Besuch, ein kurzes Gebet, und bereit war ich für den Grande Randonnée 34 (GR34).

Den Flyer, den ich dort entdeckte würde ich später noch recht gut gebrauchen. Natürlich verstand ich das Geschriebene nicht, doch ein kleines abgebildetes Bild darauf inspirierte mich für ein weiteres Holzmotiv meiner Arbeiten daheim.
Ein Kreuzmotiv welches gefüllt mit Punkten war, sprich mit darstellenden Menschen.
Später von mir gefertigt mit Hilfe zahlreicher Astschnitte, die auf Bretter stehend geklebt wurden.

Anstatt das ich den Weg zum Hafen suchte um symbolisch den passenden Einstieg zu finden, ging es durch viele nette kleine Gassen in nördlicher Richtung aus der Stadt heraus. Zu sehr verließ ich mich auf Google-Map, den kürzesten Weg zu finden. Somit verpasste ich eine der schönsten Stellen Cancales, dem direkten Hafenzugang mit Blick auf den Leuchtturm und den bei Ebbe freiliegenden Austernbänken.

Von heute auf morgen sozusagen aus der Betonkistenwelt zu diesen malerischen Küstenort, wo ich direkt zum Anfang die bunte Pfanzenwelt bestaunte. Nach begehen der Siedlung La Broustière kam ich endlich auf einen grasigen Weg, der mir zum Eingang erstmals das auf Dauer begleitende Hinweisschild zeigte, GR34.
Stop, bevor ich nun meinen bunten Weg begann, nahm ich das Telefon und rief meine Mutter an. Mir war es warum auch immer wichtig mitzuteilen, das ich jetzt offiziell starte, dazu blickte ich zum Himmel um meinen Vater zu grüßen, mit dem Hinweis, jetzt in diesen Moment total glücklich zu sein.
Von dort an startete ich einen Weg, der nicht nur optisch wie physisch etwas ganz Bedeutsames für mein nun kommendes Leben sein sollte, es war auch der Start zu einem neuen Ich auf vorerst neun Etappen, unterbrochen von einer Wochen zwischendurch.
Einige Minuten schwebte ich hüpfend auf dem schmalen Weg, bis ich dann endlich auf dem richtigen Pfad angekommen war.


Von nun an sollte ich bis vorerst Cap Frehel in zwei verschiedenen Wochen nur auf diesem Weg unterwegs sein, bis auf Ausnahmen, wo es am Tages- oder jeweiligen Etappenende zum jeweiligen Campingplatz zurückging.
Eine eiserne Disziplin bewahrte ich nun täglich, wenn machbar nur auf der Strecke zu bleiben, der Weg war das Ziel, jede Freizeit wie baden, Sehenswürdigkeiten standen jeden Tag hinten an.
Essen, Trinken, praktisch die gesamte Nahrungsaufnahme waren dem täglichen Ziel, dem jeweiligen Inhalt des Geldbeutels angepasst.
Mein Ehrgeiz packte mich so dermaßen, das ich natürlich mit ansehen und inhalieren eines jeden schönen Motivs auf der Strecke, immer das tägliche Ziel hatte, die vorgenommene geplante Strecke zu gehen, um die gesamte Strecke irgendwann komplett entlang der bretonischen Küste zu schaffen.
Völlig überrascht war ich von diesem lebendigen Bild des Weges. Wahrlich wie ein Pilgerweg schlängelte er sich zum Anfang in einer Mischung durch Gehölz, entlang der steilen Steinküste, und jeweils an Buchten hinab und hinauf, mal auf roten Sand, Wurzeln oder Steinen.
Nie hatte ich es mir vorher so vorstellen können. Angefangen, und sofort solch eine Optik präsentiert zu bekommen, das auf einem Wanderweg.
Strand und Küstenatmosphäre an einem sonnigen und blauen Tag. Das auf und ab des Wassers, und direkt zum Anfang das Panorama mit idyllischen Blicken auf ein kleines Eiland mit dem Namen
„Île des Rimains“.
Kleine Inseln, welche mit Gebäuden bestückt waren. Diese wurden unter anderem früher als militärische Stützpunkte genutzt, als zu Zeiten im Mittelalter Schiffe zwischen den Granitinseln und dem Festland verkehrten. Granitstein war und ist ein hochwertiges Material, um zum Beispiel Kathedralen und Kirchen zu bauen.
An jedem Tag waren nun kleine Inseln vor dem Festland stille Begleiter auf der Strecke. Mal ragten ihre Spitzen aus dem jeweiligen Flutwasser heraus, und schon wenige Stunden später waren sie bei Ebbe mit ihren Ecken und Kanten großflächig anzusehen.


Nach einigen Kilometern erreichte ich die felsige Landspitze „Pointe du Grouin“. Hier angekommen musste ich schnell für den weiteren Verlauf lernen, das im Internet gesehene Punkte nicht immer optisch das versprechen, was man bei der Bildbetrachtung daheim gesehen hat. Nicht, das es vom Anblick her hässlich war, aber es war voller Tagestouristen.
Mein negatives Empfinden drückte ich aber schnell beiseite, denn zu schön waren die nahe Umgebung und die weiten Blicke. Die Blicke reichten bis zur Normandieküste mit dem Ort „Granville“ und „MontSaintMichel“, wo 2015 das Fieber für diese Küste entfacht wurde.
Die langgezogene „Île des Landes“ liegt direkt daneben als Naturschutzgebiet und war seit einigen Kilometern auf der Strecke sichtbar.
Schnell hatte ich die Landspitze hinter mir, von nun an waren es nur wenige, die den teils schmalen Küstenpfad wie ich nutzten.
Waren es landschaftlich an der Ostküste mehr die vielen Buchten mit Sportbooten, so ging es nun hier an der Nordküste am Ärmelkanal etwas rauer zu. Zickzack war nun der Wegverlauf mit den zahlreichen Buchten. Markante Felsen, die zwischen dem Weggrün und dem Blau des Wassers und des Himmels immer wieder heraus ragten.
Unterbrochen von der ein oder anderen Sandbucht, die wenn zeitlich möglich, zum chillen einluden.
An einem der Strände zwang ich mich zur Pause. Nutzte dort zumindest das kalte Nass an den Füßen und lehnte mich an Felsen um während des Ruhens das Strandleben aufzusaugen.
Der Sand, irgendwie so anders, als wie ich ihn von Nord- oder Ostsee, oder auch vom Mittelmeer in Erinnerung hatte.
Lange wollte ich hier nicht verweilen, da ich noch keine Info bezüglich der Abfahrtermine der Buslinien hatte, und, eigentlich hatte ich nun am ersten Tourtag sehr viel gesehen und erlebt.
Und doch, da wartete noch etwas. Nach umrunden der Felsen am „Pointe du Nid“. 
Denn dahinter am „Plage du Guesclin“ war die eine Bushaltestelle mit einer Verbindung nach Saint Malo, und dort fiel mir eine kleine Insel auf, auf der eine recht große Villa zu sehen war. Viele Geschichten gibt es über den Standort.
Nur bei Ebbe gab es die Möglichkeit, das kleine Eiland „Ile du Guesclin“ zu betreten. 
Der erste Tourtag war nun vollbracht, was fehlte, war die Heimkehr zum Zeltplatz. Und das sollte anfangs noch einmal ‘ne harte Aufgabe werden. Noch nicht vertraut mit den Buslinien und deren Fahrtzeiten, stand ich dort am Strandparkplatz und musste feststellen, das recht wenige Fahrzeiten vorhanden waren. Hier für den Tag wohl keine mehr. Vielleicht geht auf der Linie vom Vormittag noch etwas, womit ich von Saint-Malo nach Cancale fuhr. Diese mögliche Bushaltestelle war aber noch einige Kilometer in Richtung Landstraße entfernt, so das ich gezwungen war, erst einmal zu Fuß auf dem Asphalt der Strandstraße weiter zu gehen.
Zum Schrecken auch erst einmal ein ziemliches Stück bergauf.
Und somit sah fast täglich die Summe der gelaufenen Kilometer anders aus, als wie die angegebenen auf dem wirklichen Wanderweg.

Irgendwann überkam es mich, bestimmt weil müde und schlapp, bei jedem vorbei fahrenden Auto den Arm zu heben und den Daumen hoch zu halten.Tatsächlich dauerte es nicht lange und am nächsten Randstreifen hielt ein Auto mit einem jungen Pärchen. Erste Anfrage meinerseits war, ob sie englisch sprechen, beziehungsweise mich in Richtung Saint-Malo mitnehmen könnten. Ganz schnell war sie als Beifahrerin ausgestiegen und machte mir auf dem Rücksitz Platz. Die Sitzfläche war reichlich gefüllt, es sah mir nach einer Anreise in den Urlaub aus. Ein wahrscheinlich umgekippter Karton hatte eine Menge an Mundschutz weit verstreut, das musste alles erst einmal beiseite geräumt werden. Natürlich kam die freundliche Aufforderung, das ich mir Mund und Nase während der Fahrt bedeckte.

Nun, wir kommunizierten nun zu dritt während der Fahrt aus einem 

Mix aus französisch, englisch und Deutsch. Sie sprach französich und etwas englisch, er französisch und Deutsch, soweit er konnte, da er für ein Semester in Deutschland studierte, - na und ich hangelte mich dadurch mit englischen Wortfetzen, um zu antworten.
Da, wo ich Viertel mit vielen Ferienwohnungen vermutete, stieg ich aus, und es ging der langen Strandpromenade entlang in Richtung Stadtmauer und Altstadt. Dort fand ich einen Supermarkt, kaufte Proviant und machte mich auf den Berg in Richtung Alet auf, um dort noch ein wenig Leben auf dem Camping-Platz mitzuerleben, bevor es bei Dämmerung ins Zelt in den Schlafsack ging.
In der Sommerferienzeit bemühen sich viele Campingplatz Betreiber, täglich abwechselnde Programme oder verschiedene Foodangebote  anzubieten. Künstler, Programm für Kinder wechseln sich jeden Abend ab, wie auch Anbieter für Pizza-, Fritten-  Galette oder auch Crepe.


Podcast/Hörfassung Tourtag01 GR34meinbunterWeg


Rot markiert die Wanderstrecke des GR34, ca 2000km









GR34 Der Zöllnerpfad


Ile de Landes



Ile du Guesclin






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