Einwurf abseits der
Strecke des Zöllnerpfads
Auf dem Zöllnerpfad
unterwegs zu sein, kann mit bewirken, das es zusätzlich Horizonte in der
eigenen Gedanken- und Seelenwelt bietet. Voraussetzung dafür sind natürlich
offene Augen und Ohren unterwegs, ja auch die Nase bezüglich Gerüche. Egal, ob auf der
Strecke, oder an Stationen der jeweiligen Hin- oder Rückreise.
Warten auf den nächsten Bus heißt auch Geduld zu haben, wie auch kurze Unternehmungen zu gestalten,
solange es Zeit und Wege zulassen. Ein Beispiel erlebte ich, als ich während meines
ersten Anreisetags in Richtung Bretagne meinen Rundgang in Paris in den
Bezirken Bastille und Bercy hatte. Dort sammelte ich viele Eindrücke, die ich gedanklich
oder als Datei auf dem Speicher festhielt. Drei bis vier Stunden Wartezeit hatte ich, bis ich in den Fernbus nach Rennes einsteigen konnte.
So kam es unter anderem dazu, das ich in der frühen
Mittagszeit von der Seine in Richtung Bastille abbog, entlang eines Kanals mit festgemachten
Yachten und Hausbooten, dem „Bassin de l’Arsenal“.
Unter der metallenen Metrobrücke her gegangen, sah ich eins
von vielen Hausbooten, welches cool, bunt und gemütlich aussah. Darauf zu sehen
waren zwei Personen. Eine davon chillig am Tisch sitzend, die andere kümmerte
sich um die Bootspflege.
Ich hörte einen guten Sound, der über das Wasser zu
mir herüber getragen wurde. Es war bassige Reggaemusic,
welche sich bis heute mit dem bunten Bild in mir einprägte. Wer mich kennt, weiß
um meine Musikleidenschaft. Sofort öffnete ich meine Musik-App, um Song und
Interpret heraus zu finden.
Folgender Titel wurde angezeigt:
„Stick Figure“ mit „Sound
of the sea“. Das Lied gab mir das einzigartige Gefühl, genau hier an
diesem Platz hinzugehören, und sei es nur für diese Minuten an diesem schönen
Sommertag.
Kein bis dahin gehörter Musiktitel gab mir in der
Vergangenheit ein solches Gefühl an Freiheit, Leben und Freude.
Damit eröffnete sich für mich ein Ritual bis heute, das
wenn ich unterwegs Music hörte, diese namentlich festhielt. Somit blieben musikalische Erinnerungen passend zu
den gesehenen Bildern, und gespürten Emotionen.
Ibrahim Malouf ist
ein weiteres Beispiel. Zwischen umsteigen und weiter fahren auf der ersten
Rückfahrt, hörte ich seine Music auf einem an der Seine festgemachten
Partyschiff, wo die Crew am späten Nachmittag noch damit beschäftigt war,
Vorbereitungen für den folgenden Partyabend zu treffen.
Titel für Titel öffneten mir im Laufe der Zeit meiner
Touren eine andere Ansicht und Interesse zur Musik, ja, den Einlass zur
kosmopolitischen Weltmusik.
Moderne Musik eines Sohnes libanesischer Vorfahren zu
hören, begleitet von dominanten Trompeten oder Klavier, mit heftig unterlegten
Bass, war zwar nichts neues, und doch empfand ich es in Frankreich so, das es
internationaler und interessanter klang als daheim.
Mit der sehr schönen französischen Sprache fand ich auch
Freude an Beats mit Hip-Hop oder Rap. Somit hat sich auch ein reichhaltiger Fundus weltweiter Musik in französisch bei mir gesammelt.
Musik und Frankreich, mittlerweile thematisch verbunden ein Stück
Kultur für mich, was mein Leben zusätzlich bereicherte. Ob auf regionalen Busfahrten, an Strandbars, egal wo halt
Music aus dem Lautsprecher kam, ich hielt sie oft fest und baute sie daheim in meinem Alltagsleben mit ein. Somit hatte ich seither neben den vielen
Bildern weitere Hilfsmittel an Glücksmomenten, wenn es mal nicht so lief. Zum
einen beamt es mich mental an Ort und Stelle zurück, und zum anderen sind die
Glücksgefühle während meiner Holzarbeiten sehr hilfreich, wenn es auch dabei
mal ein gedankliches Loch oder ein Tief gibt.


Stick Figur - Sound of the sea
Ibrahim Malouf - True Sorry
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