Samstag, 8. April 2023

GR34meinbunterWeg Momente neben der Strecke (2)

Einwurf abseits der Strecke des Zöllnerpfads

Auf dem Zöllnerpfad unterwegs zu sein, kann mit bewirken, das es zusätzlich Horizonte in der eigenen Gedanken- und Seelenwelt bietet. Voraussetzung dafür sind natürlich offene Augen und Ohren unterwegs, ja auch die Nase bezüglich Gerüche. Egal, ob auf der Strecke, oder an Stationen der jeweiligen Hin- oder Rückreise.
Warten auf den nächsten Bus heißt auch Geduld zu haben, wie auch kurze Unternehmungen zu gestalten, solange es Zeit und Wege zulassen. Ein Beispiel erlebte ich, als ich während meines ersten Anreisetags in Richtung Bretagne meinen Rundgang in Paris in den Bezirken Bastille und Bercy hatte. Dort sammelte ich viele Eindrücke, die ich gedanklich oder als Datei auf dem Speicher festhielt. Drei bis vier Stunden Wartezeit hatte ich, bis ich in den Fernbus nach Rennes einsteigen konnte.
So kam es unter anderem dazu, das ich in der frühen Mittagszeit von der Seine in Richtung Bastille abbog, entlang eines Kanals mit festgemachten Yachten und Hausbooten, dem „Bassin de l’Arsenal“.

Unter der metallenen Metrobrücke her gegangen, sah ich eins von vielen Hausbooten, welches cool, bunt und gemütlich aussah. Darauf zu sehen waren zwei Personen. Eine davon chillig am Tisch sitzend, die andere kümmerte sich um die Bootspflege.

Ich hörte einen guten Sound, der über das Wasser zu mir herüber getragen wurde. Es war bassige Reggaemusic, welche sich bis heute mit dem bunten Bild in mir einprägte. Wer mich kennt, weiß um meine Musikleidenschaft. Sofort öffnete ich meine Musik-App, um Song und Interpret heraus zu finden.
Folgender Titel wurde angezeigt:
„Stick Figure“  mit  „Sound of the sea“. Das Lied gab mir das einzigartige Gefühl, genau hier an diesem Platz hinzugehören, und sei es nur für diese Minuten an diesem schönen Sommertag.
Kein bis dahin gehörter Musiktitel gab mir in der Vergangenheit ein solches Gefühl an Freiheit, Leben und Freude.
Damit eröffnete sich für mich ein Ritual bis heute, das wenn ich unterwegs Music hörte, diese namentlich festhielt. Somit  blieben musikalische Erinnerungen passend zu den gesehenen Bildern, und gespürten Emotionen.

Ibrahim Malouf  ist ein weiteres Beispiel. Zwischen umsteigen und weiter fahren auf der ersten Rückfahrt, hörte ich seine Music auf einem an der Seine festgemachten Partyschiff, wo die Crew am späten Nachmittag noch damit beschäftigt war, Vorbereitungen für den folgenden Partyabend zu treffen.

Titel für Titel öffneten mir im Laufe der Zeit meiner Touren eine andere Ansicht und Interesse zur Musik, ja, den Einlass zur kosmopolitischen Weltmusik.
Moderne Musik eines Sohnes libanesischer Vorfahren zu hören, begleitet von dominanten Trompeten oder Klavier, mit heftig unterlegten Bass, war zwar nichts neues, und doch empfand ich es in Frankreich so, das es internationaler und interessanter klang als daheim.
Mit der sehr schönen französischen Sprache fand ich auch Freude an Beats mit Hip-Hop oder Rap. Somit hat sich auch ein reichhaltiger Fundus weltweiter Musik in französisch bei mir gesammelt.

Musik und Frankreich, mittlerweile thematisch verbunden ein Stück Kultur für mich, was mein Leben zusätzlich bereicherte. Ob auf regionalen Busfahrten, an Strandbars, egal wo halt Music aus dem Lautsprecher kam, ich hielt sie oft fest und baute sie daheim in meinem Alltagsleben mit ein. Somit hatte ich seither neben den vielen Bildern weitere Hilfsmittel an Glücksmomenten, wenn es mal nicht so lief. Zum einen beamt es mich mental an Ort und Stelle zurück, und zum anderen sind die Glücksgefühle während meiner Holzarbeiten sehr hilfreich, wenn es auch dabei mal ein gedankliches Loch oder ein Tief gibt.

 

                         


Stick Figur  -   Sound of the sea 


Ibrahim Malouf  -  True Sorry 

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