Mittwoch, 27. Dezember 2023

GR34meinbunterWeg Momente neben der Strecke (3) ART-Rock Festival

Sehr glücklich wachte ich auf, und das gar nicht mal so spät. Trotz der bis in die Nacht dauernde vorerst letzten Tour am Vortag fühlte ich mich körperlich fit. Keinen Muskelkater, kaum Müdigkeit, während meiner sehr geruhsamen Frühstückszeit konnten die Batterien allgemein körperlich wie auch meiner Geräte aufgeladen werden, und, ja tatsächlich, ich war schnell wieder vertieft in Planungen. Planungen für den kommenden Tag, der nun mal komplett in der Stadt stattfinden sollte, anstatt auf einem sonst gewohnten Wanderweg.
Ich wollte in der zu verbleibenden Zeit viel von Saint-Brieuc sehen, und dabei viele Bilder wahrnehmen, die während einer längeren Veranstaltungsphase unter dem Namen "Justdopaint" viele Gebäude, viele Häuserfronten in große Gemälde verwandelten. Gedacht war der Weg von der Innenstadt zum Hafen, und als Rundweg wieder zurück in die City, wo ich zum Abend Momente des beginnenden Musikfestivals erleben wollte.



Madlen Keys & Band



Mein Weg führte mich entlang des Le Gouédic durch ein langes Tal inmitten der Stadt, bevor ich die ersten Wandbemalungen wahrnehmen konnte.
Gut das ich den Plan mit hatte, den es für diese Strecke im Tourismusbüro gab. Nach den ersten Kilometern in der Stadt merkte ich schnell, das es zum gehen kraftraubend wird, denn gegenüber sonst ging es viel über Asphalt.
Manchmal musste ich einige Meter zurück, da ich einige Hausbilder verpasste, die ich nur in der Rückwärtsbewegung entdeckte. Es war mal eine ganz andere Art einer Stadtbesichtigung. Die Hausbilder, die ich sehen durfte, waren geschmacklich sehr unterschiedlich. Nicht wenig waren futuristisch angehaucht. In einem größeren Wohngebiet nahe der Stadtautobahn gab es zudem noch viele bunte Skulpturen, meist aus Holz und an Spielplätzen oder auf Wiesen entlang der Fußwege.
Irgendwann war ich am Hafengebiet angekommen, wo der Le Gouédic in den Gouet fließt, und dieser im Ärmelkanal mündet. Ein kleiner Port mit zahlreich angelegten Motor- und Segelbooten, dazu viele Bootswerkstätten und Gastronomiebereiche. 
Nach weiteren Funden bezüglich bemalter Häuser ging es steil einen Berg hoch in Richtung Innenstadt. Ich entdeckte dabei ein lachendes Kind auf einer Hausfront. Kann man Freude eines Kindes besser darstellen?
Lustig und bunt, es war sehr beeindruckend, und blieb mir als eins meiner Lieblingsbilder in Erinnerung.
In der Stadtwelt wieder angekommen, ging es nach Ansicht der Eglise Saint Michel de Saint Brieuc
direkt in Richtung Fußgängerzone, wo zu dem Zeitpunkt schon recht viel los war.
Die Innenstadt war mittlerweile bunt voller Party- und Musikinteressierten Menschen. Kneipen und Gastronomien waren bis nach draußen gut gefüllt, entweder standen große Musikboxen mit lauter Musik jeweils außen, oder es spielten vereinzelt Bands vor Ort, egal welcher Art von Kultur oder Stilrichtung. Noch fand ich nicht meinen festen Ort zum verweilen, ich war ja auch viel zu neugierig um zu erfahren, was in weiteren Bereichen noch zu entdecken war.
African-Beat, Reggae, Liedermacher, Electronics wie auch Gitarrenmusic. Am Place du Chai gibt es zahlreiche Bars und Kneipen, dort gab es an jeder Gastro Musik verschiedener Musiker zu hören und zu sehen. 
Neben den beiden großen Bühnen, wo mit üblichen Kontrollen lediglich Karteninhaber Einlass hatten, gab es neben den schon genannten Bereichen den Place de Resistance. Ein großes offenes Zelt dort, wo jeder Interessierte kostenfrei Livegigs miterleben konnte. Ungewohnt für mich, das es Theken mit Snacks und Köstlichkeiten in der oberen Preisklasse gab. Aber diesbezüglich sind Franzosen halt anspruchsvoller, selbst wenn es ein kleiner wertvoller Imbiss ist. Bis auf Burger oder Pizza ist nirgendswo wie in Deutschland ein Imbiss mit kleinen Dingen wie Bratwürsten zu finden.
Das Zelt war gut gefüllt und ich sah verschiedene Musiker im Wechsel zwischen 30-40 Minuten, die recht unterschiedliche Musikgenres von Rock, Liedermacherart und Folk vortrugen.
Nach den ersten Vorträgen zog ich noch einmal los, da ich solange es hell war, weitere Stimmungen in den Straßen auffangen wollte.
Per Zufall ging ich in Richtung Kathedrale, wo es mich in ein altes Viertel zog, wo vornehmlich alte Fachwerkgebäude aus dem Mittelalter standen.
Dort vor Ort eine gute Pizza verzehrt, fand ich eine kleine Location. Davor ein kleiner Platz unter einem mächtigen großen Baum. An vielen Tischen waren zahlreiche Menschen und hörten zum Teil tanzend eine so von mir noch nicht gehörten Musik zweier Musiker zu, wo ich bis heute sehr dankbar bin, die Stimmung, ihre Musik und sie selber für einige Momente kennengelernt zu haben.
Die Gastronomie nannte sich "Auprès de mon Arbre", 
was soviel bedeutet wie ....unter meinem Baum. 
Bei späteren Besuchen in der Stadt fühlte und spürte ich die Bedeutung dieser Gastronomiebezeichnung. Ein so breiter großer alter Baum davor, der wie umarmend viel Schutz bieten kann.

Ich hörte dort die Musik und war begeistert. Als immer noch fühlender Neuling in der Bretagne hörte ich bretonische Klänge heraus, musiziert von einem Akkordeonspieler, und einem im Takt manchmal angepasst wild hüpfenden Musiker, dessen Instrument ein Computer war, wovon Melodie und Musik gesteuert wurden. Ein traditionelles Musikinstrument in Kombination mit elektronisch gesteuerter Musik.
Eine für mich sehr ungewohnte Art von Livemusic, aber vom damaligen hören an bis heute begleiten mich zu verschiedenen Anlässen diese Klänge.
"OXid&LéON" sind Yvann Salingue und Yann Bouillon. Beide fanden sich zu musikalischen Experimenten, die vor allem live mit ihren unverwechselbaren Klängen und passenden Beat für mich bislang einzigartig sind.
Eine Bereicherung in meiner musikalischen Welt, wobei auch beide mir im Gespräch damals sehr sympathisch in Erinnerung blieben. Noch fehlen mir Momente während meiner Aufenthalte und Touren in der Bretagne, wo es der Zufall noch einmal zulässt, das sich unsere Wege kreuzen. Meine Wege und ihre angesetzten Livegigs passten bislang leider terminlich wie örtlich noch nicht zusammen.

Zum Ende des Auftritts unter dem großen Baum entwickelte sich das Wetter so schlagartig zu einem heftigen Gewitter, das die nachfolgende Künstlerin ihr gerade aufgebautes Material für den Auftritt wieder abbauen musste. Es kamen in Hieb gewaltige Wassermengen von Himmel, so das alle mit Tischen und Stühlen unter dem Tapedach unter dem Baum zusammen rücken und abwarten mussten. Immer wieder wurde das Stoffdach leicht angehoben, damit das schnell nachfolgende Wasser ablaufen konnte. Die aus den Boxen kommende Musik kam gegen die Stimmen der vielen Leute wie auch lauten Regenfälle nicht an, und währenddessen ertappte ich mich dabei, das ich in kurzen Momenten überlegte, ob mein kleines Zelt auf dem Campingplatz diese starken Regengüsse und den starken Wind standgehalten hatte.
Mag es noch so unangenehm gewesen sein, ich werde die schönen Momente mit Musikern und dem dortigen Publikum, und letzten Endes dem bravourösen Personal der urigen Kneipe nicht vergessen.
Was folgte war eine Fortsetzung von Erleben und Kennenlernen weiterer begeisternden Musikern, wo ich nie geahnt hätte. 
Die Schritte durch die Fußgängerzone führten mich wieder zum bereits erwähnten großen Festzelt. Davor immer noch gut gelaunte Menschen, die geduldig in Massen Schlange während der Regenschauer standen, um Marken für Getränke und Speisen an den jeweils zu Verfügung stehenden Ständen zu kaufen.
Um das System des Programms der auftretenden Musiker und Bands zu verstehen, blickte ich in das kleine Programmheft des Festivals, und verstand es so, das hier im Zelt mehr oder weniger Nachwuchskünstler ohne Eintritt auftraten.
Unter anderem Madlen Keys mit ihrer Band. Eine weitere Bereicherung bezüglich Livemusik, die ich bis heute noch sehr schätze, die ich immer und immer wieder über das Internet zwecks Entwicklungen verfolge.
Madlen mit korsischen Vorfahren hat mit ihrer Band ein recht breites Rock Programm, welches mich u.a. sehr an frühere Musik deutscher Krautrockzeiten erinnerte. Ob Novalis, manchmal wurde ich auch an Musik von Genesis erinnert, es war auf jeden Fall ein breiter Teppich an Musikgenres, welches die vier dem Publikum vorspielten.
Neben dem sicheren Drummer, dem Gitarristen und einem im Repertoire breit aufgestellten Keyborder spielte Madlen neben ihrem Gesang unterschiedlich Gitarre und Geige.
Es waren lange breite Klangteppiche die ich in der jetzigen modernen Musikwelt so nicht erwartet hätte, und das, von einer recht jungen Band.
Schade, nach den üblichen 30 bis 40 Minuten, welche wohl jeden Vortragenden zur Verfügung standen, war auch ihr Programm beendet.
Da ja alles in diesem Zelt recht nahe und eng war, nahm ich zum Schluss die Gelegenheit wahr, zu ihnen zu gehen, und ihnen meine Begeisterung mitzuteilen.
Und sofort waren wir in einem angenehmen kurzen Gespräch, wo in meine Richtung die Anregung erwähnt wurde, ob ich Kontakte zu deutschen Veranstaltern herstellen könnte.
Hmm, verständlicherweise musste ich mich zurückhalten, da mir direkt keine Personen mit Management bekannt sind.
Nach diesen tollen, mal anderen, nicht so erwarteten Tag ging ich nach unserer Verabschiedung in die Nacht hinein in Richtung Zeltplatz, leicht verträumt und noch angetan dieser sympathischen Begegnungen.

Viele gingen zeitgleich nach Hause, mein zu Hause war mein Zelt auf dem Campingplatz. Das Zelt stand noch heil an seinem Platz nach dem heftigen Gewitter.
Recht müde nach diesem Programm ging es für mich in den Schlafsack. Und das mit recht feuchten und kühlen Gegebenheiten. Die Luftfeuchtigkeit in diesem engen Bachtal drang bis in meinem Schlafsack durch, wo ich meine Kleidung dementsprechend anließ.
Ein harter Kontrast meiner Gefühle ließ mich noch lange wach bleiben. Zum einen die nun erlebten Touren samt erzielten Etappenerfolgen und den bis jetzt unvergessenen bunten Momenten mit Stadt und Musikern, und der Tatsache, das es am folgenden Pfingstsamstag wieder zurück gehen sollte.

Mir blieb nichts anderes übrig als am folgenden Morgen alles zusammen zu packen, und nach einer recht freundlichen und harmonischen Verabschiedung gegenüber dem Platzwart und seiner Frau in Richtung Bahnhof zu gehen, um dort auf den Bus in Richtung Paris zu warten.
Auf dem Weg ging es noch kurz zum kleinen Laden von Carefure, um mich mit Baguette und Käse für die Fahrt einzudecken.
Am Bahnhof  machte ich es mir auf einer Bank gemütlich, um abzuwarten.
Eine halbe Stunde vor der planmäßiger Abfahrt klingelte das Smartphone. Eine Nachricht des Fahranbieters mit der Mitteilung, das die Fahrt ausfallen würde, und man sich dafür entschuldigt. Alternativ wird die geplante Fahrt gutgeschrieben, so dass ich umbuchen musste.
Erschreckt saß ich auf der Bank und musste dies erst einmal sacken lassen, da diese Situation neu für mich war. Bislang war das System bisher sehr sicher und es gab noch keine Absage einer gebuchten Fernbusfahrt. Mein Plan, einen weiteren Ruhetag nach der Ankunft zuhause zu haben, ging nicht auf. 
Ich suchte direkt nach alternativen Fahrten, wobei mir die nächste Möglichkeit am nächsten Morgen zur gleichen Zeit vorgeschlagen wurde. Diese buchte ich direkt, da ich keineswegs später nach Hause konnte. Direkt darauf folgte mein Entschluss, wieder zum Campingplatz zurück zu gehen und zu hoffen, das ich nochmals dort eine Nacht nächtigen könnte.
Verwundert schaute man mich nach meiner Rückkehr an, und buchte mich nochmals für eine Nacht ein.
Auf meinem am Morgen verlassenen Platz am kleinen Bach baute ich mein Zelt wieder auf, und beobachtete eine Gruppe von Menschen, die sich wohl auf dem kleinen Sportfeld für eine Feier vorbereiteten. Ob jung oder alt, neben Flötenspiel, gespielt von einem am Rand stehenden Mann, tanzten sie in Gruppen verschiedene Tanzeinheiten. Hier kam ich nun zum ersten mal auf meiner Tour der bretonischen Tradition nahe, wie in großen Gruppen Kultur mit Musik und Tanz gelebt wird. Menschen in verschiedenen Altersgruppen, die sich blendend verstanden und seit Beginn des Pfingstwochende in verschiedenen Blockhütten auf dem Gelände untergebracht waren. Kurze Zeit später waren alle in bretonische Gewänder gekleidet, und zogen zu einem wohl nahen Auftritt los.

Da ich bis zur nächsten Abfahrt irgendwie auf Abruf vor Ort war, machte ich mich zum Nachmittag noch einmal in die Stadt auf, um bis zum Abend ein weiteres Mal die Innenstadt samt Musikfestival zu erleben. Wieder ging es durch den waldreichen Park bis zum Eisenbahnviadukt, wo ich in Richtung City ging und auf dem Weg schon zahlreich gut gelaunte Menschen dorthin begleitete.
Hier und da entdeckte ich in verschiedenen noch nicht begangenen Straßen nochmals bunte Hauswände. In den Fußgängerzonen herrschte hier und da schon wieder viel Trubel und laute Stimmung. Da ich wieder unterschiedliche Fußgängerzonen beging, gewann ich wieder zahlreiche unterschiedliche Eindrücke. Während in einer Gasse an einem Cafe ein DJ laute Technomusic auflegte, wozu sich viele tanzend bewegten, gab es in der nächsten Gasse mit heftigen und bassigen Beat laute Reggaemusic zu hören. Auch hier war die Straßenfläche gefüllt mit tanzenden Menschen.
Neben weiteren Gassen entdeckte ich um der Kathedrale weitere Bühnen und Zuschauerplätze, die allerdings nur mit einer gekauften Festivalkarte betreten werden durften. Es war schon gigantisch, was für ein verlängertes Wochenende in der Innenstadt aufgebaut wurde.


Neben wenigen Momente an der Bar unter dem großen Baum war ich wieder die meiste Zeit im Zelt vom Vortag, in dem kostenlos Musikbands ihr Programm vorspielten. Wieder war von Rock, Reggae, Folkrock alles dabei, und als dann zum späten Abend Madlen Keys wieder mit ihrer Band auf der Bühne stand, ließ ich mir es nicht nehmen, deren Auftritt nochmal wahrzunehmen. Eigentlich wollte ich früher wieder zum Zelt zurück, aber da mich ihre Musik am Vorabend begeisterte, blieb ich gerne.
Beim gegenseitigen Wiedersehen grüßten wir uns zu und diesmal in der ersten Stuhlreihe sitzend genoss ich wiederholt die Spielzeit. Das ein oder andere Musikstück war anders arrangiert als am Vorabend, aber ich fand es recht gut vom Ablauf her. Die Bretonen rückten bis nahe zur Bühne heran und tanzten mit, was ich mir ebenfalls nicht nehmen ließ. 
In dem Sommer gab es danach hier und da schriftlichen Austausch über öffentliche Netzwerke, meist über ihrer Musik und weiterer Entwicklung, beziehungsweise über mein weiterkommen auf dem GR34.
Mittlerweile ist es auch vorbei mit der Bezeichnung Nachwuchsband, da ein komplettes Album ihrer Musik veröffentlicht wurde und dazu viele Konzerte im Süden Frankreichs.
Gerne erinnere ich mich an diese netten, freundlichen Musiker zurück, und es gehört wie ein Stück Geschichte zu meinem Weg.
Am nächsten Tag ging es dann wirklich zurück, wo ich auf der Busfahrt viele Bilder und Videos meiner Küstentour und von den Konzerten anschaute.










































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