Tourtag 7, Frühstück am Zelt,
und danach ging es los mit dem Bus nach Saint-Cast-le-Guildo.
Hier und da ein Wölkchen am Himmel, ein nicht so heißer Tag. Auf dem Hügel von Saint-Cast war ich schnell angelangt, da wo ich am
Vorabend die 6. Etappe beendete. Wieder gönnte ich mir den Blick nach Fort la
Latte. Noch einmal eine weitere Strecke gehen, um folgend dort den
finalen Tag zu erleben. Auf der ganzen Strecke in die Bucht hinein konnte ich
viel Wald auf der gegenüber liegenden Seite sehen. Ich war schon sehr gespannt,
wo ich dort einen Tag später wohl entlang gehen würde.
Recht kurvenreich und hoch auf dem Riff gestaltete
sich vorerst der Weg an dem Tag. Kleine Buchten, in denen man gewiss ruhige
Badetage erleben könnte. Viel Grün dazu, was ich in dieser Menge so auf meinem bisherigen Weg noch nicht sah. Zum Teil fühlte ich mich an alpine Wurzelwege
erinnert, die auf und ab gingen.
Egal, was mich am kommenden letzten Tourtag stressen
oder ermüden könnte, ich hätte viel erreicht, mit eiserner Disziplin, Organisation und vor allem Wertschätzung über dieser feinen Gegend. Ich hätte den Beginn einer
Fernwanderung von Cancale mit dem gewünschten Ziel Cap Frehel binnen zweier Tourstaffeln
geschafft.
Ich hab mit
diesen Wandertagen lernen dürfen, positiv durchzustarten. Es folgen noch einige Geschichten mit gegangenen Kilometern, wo ich mit mir selbst kämpfte, wo ich
Zweifel hatte.
Aber mit jedem weiteren Tourtag wuchs in mir nötige Stärke und
Zufriedenheit.
Verglichen mit verschriebenen Aufputschmitteln im täglichen Leben, ist die Droge körperliche Aktivität im Freien in einer Wunschregion mit zusätzlichen Dingen wie
Adrenalin, Schönheit, Freiheit Zufriedenheit und weiterer Sehnsucht kaum schlagbar.
Mit jeder Heimkehr wurde mir mehr Respekt,
Interesse und Glückwünsche entgegen gebracht. Mit jeder Heimkehr gab es Gefühle der Sehnsucht, an
einem Punkt an dem die Tour vorerst endete, schnellstmöglich wieder hinzukommen, um weiter zu machen.
Langes abwarten wurde irgendwann unerträglich.
Dazu auch unfassbare Reaktionen daheim. Ob im Alltag, ob am Marktstand, oder sonst wo, Menschen kamen auf mich zu und fragten, - sag mal, was ist denn mit Dir los. Steckst Du voller Drogen bezüglich Deiner ewig währenden guten Laune. Du siehst gut, glücklich
aus, was ist passiert?
Selbst Menschen, mit denen ich mich siezte, nahmen mich im Arm
und wünschten mir weitere schöne Momente.
Mit dieser Tour lernte ich auch auf vielen Schritten und
Wegen, um wie viel es einfacher sein kann, wenn man große Selbstliebe in sich trägt.
Liebe zu sich selbst öffnet zudem Türen und
Herzen bei anderen. Ich
lernte, gut zu mir zu sein. Schweres war mittlerweile einfacher. Egal wie schwer ein kommender Weg auch war, schon auf ersten Metern lernte ich, das bei vielleicht gerade 20 gelaufenen Kilometer
irgendwann der 40. und letzte Kilometer des Tages erreicht sein würde. Und wenn abends danach die gegangene Strecke samt Bildern und Highlights noch einmal im Kopf abgespult
wurde, dann war ich mit so vielen Glücksgefühlen behaftet, das negative Gedanken keinen Platz fanden.
An einer der vielen Buchten ließ ich es mir nicht nehmen, nahe zum Ufer zu kommen. Und mit einem Blick auf den Boden erkannte ich viele Jakobsmuscheln, wie ich sie in dieser Menge bis dahin noch nie sah. Riesige Jakobsmuscheln, - einfach so in rauen Mengen.
Ruisseau de Kermiton, ein so wundervoller Name, den
der folgende kleine Fluss trägt.
Nun, der Strom de Kermiton mündete auf meinem bunten Weg
im Meer, wo ich zwangsläufig vorbei kam.
Vorab ein größeres Gebäude welches von wenig Wasser, aber viel Schlamm und Wiese bei Ebbe umgeben war. Es ging
weiter in das Tal durch einen lichten Wald. Und dann standen sie auf
einmal da. Alte Haus- und Gebäuderuinen einer alten Mühlenstätte.
Angelangt war ich an der früheren Moulin de la Roche Noire. Einer Gezeitenmühle aus dem 19. Jahrhundert. Gebüsche wie auch Bäume ragten aus den alten Häusern.
Das Tal der Meeresmühlen, Vallée du Moulin de la Mer.
Weiter ging es bergauf immer mehr in eine grüne
Landschaft mit vielen Pferdewiesen. Momente, wo
ich seit langen mal wieder feststellte, das dort wo viele Pferde stehen,
auch viele Bremsen vorhanden sind. Die Insekten, welche man erst ertappt, wenn sie schon
längst gestochen haben.
Vor mir lag als Ganzes die Bucht bei Port
a la Duc. Das Tagesziel Frehel, von wo ich mit dem Bus nach
Lancieux zurück fahren wollte, wäre über die Landstraße erreichbar gewesen.
Doch das wollte ich nicht, da mir das Wandern in der Landschaft mehr
gefiel. Daher ging es nun landeinwärts nach Pleboulle, wo ich an der Kirche Rast
machte. Total verschwitzt zog ich Pullover und Schuhe aus und nahm meinen
Proviant ein. Etwas ausgeruht wollte ich nun
den Rest schaffen, wobei es über Wiesenwege hoch und runter bis Frehel ging.
Etwas erschreckt war ich, wie klein der Ort war.
Dort wieder
ein Office de Tourisme, welches noch offen war. Ich deckte mich mit
Linienfahrplänen ein, und fragte nach der Abfahrt meiner Buslinie. Zum Glück
sprach man Englisch mit mir, und zu meinem Entsetzen verstand ich, das die Bushaltestelle ca 2 Kilometer vor dem Ort war, da dort die Linie
direkt vom Cap Frehel kam. Ich packte alles erworbene Kartenmaterial ein und
legte einen ziemlich schnellen Schritt zu, um den letzten und einzigen Bus nicht zu verpassen. Eine
nicht gut einzusehende Haltestelle in einer scharfen Kurve. Auch
wenn ich an diesem Tag schon viele Kilometer unterwegs war, mit Tempo schaffte ich es zeitlich ganz gut und hatte Glück mit der Rückfahrt. Der Bus brachte mich nach Saint-Cast, wo ich recht
zeitnah den anderen Bus in Richtung Camping-Platz bekam.
 |
| Vallée du Moulin de la Mer |

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen