Küsten- und Wanderleben mit Wecker. Wer
hätte es gedacht, das für die Lieblingsbeschäftigung, dem Wandern auf dem
Fernwanderweg GR34 von nun an ein Wecker gestellt werden musste, um jeweils vor dem
einzig fahrenden Bus am Morgen wenigstens noch den ersehnten Kaffee samt Baghuette einzunehmen.
Nun, am ersten Tag in Lancieux ging es ja erst
einmal zu Fuß los. Aber den Wecker zu stellen war schon
ganz gut, da die unbekannte Strecke mit unbekannter Gehzeit bis spätestens 17.00h
geschafft werden musste. Von Lancieux war geplant, erst am Wasser entlang,
und dann vermehrt über Landwege vorbei am Chateau du Guildo nach Saint-Cast-le-Guildo
zu gelangen. Viele Kilometer, etwa 26km sollten es sein. Und ich gestehe, das es von nun an immer mehr
kribbelte. Denn gezielte Strecken auf Zeit zu gehen, und zu wissen, das dort die Landschaft auf dem Zöllnerpfad recht unterschiedlich und
abwechslungsreich werden sollte, das war mir bis dahin auf dem Fernwanderweg
noch fremd.
Recht schön war es, den Weg vorbei an einem Naturschutzgebiet zu begehen. Ständig mit dem Blick auf Saint-Jacut-de-la-Mer. Eine
ca 3 Kilometer lange Landzunge, die ich mir ersparen wollte, da es
aufgrund der Enge eh nur einen Weg gegeben hätte. Und den dann gleichermaßen hin
und zurück.
Nach vielen Tagen immer nur am Wasser entlang war es
recht angenehm, zur Abwechslung auch einmal Salzwiesen sowie landwirtschaftliche Gebiete zu begehen. Das gänzliche Blau wurde von nun an gegen saftiges
Grün eingetauscht.
Aber ich gestehe, es war auch auch etwas
beschwerlicher. Denn mit dem Verlassen des Küstenwegs musste ich nun
viel mehr auf asphaltierten Strecken gehen. Somit wurden nach einigen
Kilometern die Füße gefühlt auch schon mal heißer und heißer. Sehr oft kreuzten sich hier der Fernwanderweg mit dem
Fernradfahrweg. Denn neben dem Wanderweg gibt es entlang der Küste auch die
Möglichkeit den Radweg zu nutzen. Der ist halt nicht immer so nah am Wasser, aber er bietet den Fernfahrern auf dem Rad eine gute
Alternative. Ich freute mich im Vorprogramm an
diesen Morgen auf ein Zwischenziel entlang der Strecke, der Festung von "Chateau de Guildo". Auf den
bisher gesehenen Bildern sah sie recht urig und gewaltig aus. Sie steht in
einer kleinen Bucht an der Mündung des Arguenon. Meine größere Pause wollte ich bis dorthin aufbewahren.
Als meine erste Müdigkeit wegen des vielen Gehen entlang der Landstraßen aufkam,
erblickte ich an einer Lichtung am Waldesrand einen Baukran. Die Hinweisschilder an der Festung führten ebenfalls in die Richtung. Ich ahnte Böses. Wieder einmal
hatte ich das Pech, an eine gewünschte Stelle zwecks Besichtigung anzukommen,
welche wegen Bauarbeiten geschlossen war.
Hier waren jegliche Gebäudekomplexe abgetragen. Leider
waren nur Teile der Gebäudewände erkennbar. Das wird wohl noch sehr lange
dauern, bis es fertig wird. Meine Pause hielt ich recht kurz, was
wieder einmal ein Fehler war. Denn anstatt den Rest der Strecke fit, erholt und
gestärkt anzugehen, ging ich Trottel
ohne große Verpflegungseinnahme weiter. So kam es dazu, das ich nach Überquerung der
Brücke des Arguenon wahrscheinlich die
Wegzeichen übersah, und einem Waldweg folgte, der mehr ins Landesinnere führte
anstatt irgendwann wie gehabt am Wasser entlang. Das zermürbte mich auf weiterer Strecke. Denn
Asphalt und Wald hatte ich an diesen Tag schon genug gesehen, ich wollte
wieder in Richtung Wasser und Küste. Irgendwann gab ich auf, ich fand an der Landstraße
eine Bushaltestelle, und fuhr die
restlichen zwei Kilometer mit dem Bus. Denn zeitlich musste ich für die Rückfahrt Rücksicht nehmen, um vor Ort den passenden und einzigen Bus am Abend zu kriegen.
In "Saint-Cast-le-Guildo" angekommen, lief ich sofort in
den Supermarkt an der großen Bushaltestelle, um mir Getränke zu beschaffen, da ich unterwegs bei der Hitze ziemlich viel zu mir nahm. Nach dem Check des Busfahrplan war danach noch
Zeit, um an der sehr belebten Strandpromenade und dem Yachthafen vorbei zu gehen.
Wenige Momente überlegte ich, wie viel Geld dort vor
Anker liegen würde, aber da es unnütz war, ließ ich es sein. Mir reichten meine bunten
Momente um glücklich zu sein. Ich sah wieder sehr viele Strandbesucher, die einzeln oder in
der Gruppe mit dem passenden Werkzeug auf Muschelsuche bei Niedrigwasser unterwegs waren. Herrlich, für mich ein schönes Stück und Gefühl von Frankreich, diese
zufriedenen Muschelsucher. Meist erlebte ich dazu abends bei meiner Rückkehr auf
dem jeweiligen Camping-Platz, wie in großen Töpfen mit herzhaft duftender
Kräutersauce Muscheln gekocht und dann mit viel Ruhe und passenden Wein verzehrt wurden.

Vorbei am "Port St.Cast", bin ich weiter auf den Hügel hoch gegangen, dort gab es noch einen
Aussichtspunkt, "Canon de la pointe de la Corbière". Von dort führte mich ein schmaler Pfad zur
Nordspitze, von wo ich zum ersten Mal die Burg "Fort la Latte" vor "Cap Frehel" sah. Hier bekam ich Gänsehautfeeling, denn bis dahin war ich noch
nie so nah dran. Zwei Tage später sollte ich mein gesamtes Tourziel für `21 erreichen können.
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Chateau de Guildo
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| Port St.Cast |
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| Canon de la pointe de la Corbière |
Blick auf das Cap Frehel und Fort la Latte
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