Samstag, 8. April 2023

Anreise Saint-Brieuc nach der Winterpause

 

Es ist die erste Reise an die bretonische Küste nach den beiden Touren im Jahr davor. Die erste Tour nach meinem Experiment im Vorjahr, wobei ich erprobte, wie ich mit einer Fernwanderung mit vielen Etappen organisatorisch und körperlich klarkomme.

Auch wenn es nur kurze erste Etappen waren, der Herbst und Winter folgend waren ein Mix aus Zufriedenheit und Wohlfühlen dieser Erlebnisse, es war aber auch hart  und schmerzhaft, bis zum frühen Sommer zu warten, um endlich mit dem Fernbus unterwegs zu sein, um dann gezielt meinen bunten Weg weiterzugehen. Ich ertappte mich mit Tränen in den Augen, als ich Bilder sah, Musik aus der Zeit hörte und nie wusste, ob es wirklich klappen wird mit dem weitergehen. Der Glauben kam erst, als ich glücklich in Leverkusen in den Bus nach Paris einstieg.



Mit der langen Anfahrt von Leverkusen über Paris hatte sich nicht viel verändert. Die Gewohnheiten waren die gleichen, es änderte sich lediglich das Fahrziel. Nachdem es im Vorjahr beide Male über Rennes nach Saint-Malo und Dinard ging, fuhr ich bei der nun dritten Tour mit dem Reisebus weiter bis nach Saint-Brieuc.

Von der Ostseite war es auf dem GR34 bis zum Cap Frehel geschafft, nun sollte die Küstenstrecke von Westen ergänzt werden. Die mehrtägige Wanderung musste nun in umgekehrter Richtung erfolgen, da es zum frühen Zeitpunkt Anfang Juni andere Voraussetzungen im Bezug auf den Buslinienverkehr, wie auch Öffnungen der Campingplätze und Gastronomie gab. Touristisch beginnt die Saison für die Franzosen erst ab Juli zu den großen Sommerferien. Somit gab es Einschränkungen bei den Öffnungen, wie aber auch bei den Busfahrplänen. Irgendwann wollte ich mit der Süd-Nordroute den Platz "Camping du Pont de Itang" erreichen. Und dann nach der dort letzten Tour zum Cap Frehel von Frehel wieder zurückfahren.

Ich entschloss mich nach der langen Anreise dazu, den Bus nach Pleneuf,  beziehungsweise Le Val Andre zu nehmen. Im Internet konnte ich erkennen, das es dort einen geöffneten Platz zum übernachten gab. 

In mir steckte die Müdigkeit der gesamten Anfahrt, und meine Reserven an Nahrung waren auch nicht mehr groß. In Saint-Brieuc zum ersten Mal angekommen erwartete mich ein noch recht heller und blauer Abend. Vieles musste ich binnen kürzester Zeit verstehen lernen. Welcher vielleicht letzte Bus fährt mich wohin, gibt es in der Nähe etwas Essbares, wo werde ich schlafen? Fragen in einer noch fremden Gegend nahe 18.00h bis 19.00h. 
Auch hier waren wie in Saint-Malo Buslinien neben deren Ziffern oder Buchstaben farblich gekennzeichnet. Als Neuling in der Stadt lernte ich, das die örtlichen Busse mit Buchstaben gekennzeichnet waren, und die überregionalen mit Ziffern. Einmal gedanklich in dem System steckend, wusste man schnell, welcher der kommenden Busse in Frage kommen würde. Zum Zeitpunkt wo ich mir sicher war, am richtigen Bussteig zu stehen, kam das gewohnte Telefonat mit meiner Mutter, um ihr mitzuteilen das der Hauptteil der Fahrt gesund überstanden sei. Ein mittlerweile gewohntes Ritual.

Mit mir stieg eine Seniorin in den Bus ein, und nach einer kurzen Wartezeit ging es los in Richtung Küste, von der ich noch nicht wusste, was mich dort am Abend erwarten würde. Von der Innenstadt ging es in Richtung Stadtautobahn, und weiter zu den in den Randbezirken gelegenen großen Einkaufs- und Industriegebieten. Danach wurden Stück für Stück die kleinen Ortschaften angefahren, bis dann endlich das Ziel erreicht war.

Ich kam in Val Andre an. Trotz der Strandnähe führte der Busweg auf und ab, rechts und links, schlicht schwer definierbar, wo ich an welcher Haltestelle mit meinem Ziel Campingplatz aussteigen musste. Eine Kleinstadt am Meer, wo bis auf die Straßen am Strand alle anderen kurvenreich zwischen den Wohnviertel auf und ab gingen. Als eine Kirche mit Vorplatz erkennbar war, stand die in Saint-Brieuc mit eingestiegene ältere Frau auf und blickte zu mir und gab ein Zeichen. Auch Sie müssen hier aussteigen, wenn Sie zum Campingplatz möchten, deutete sie. Ich verstand recht schnell und war der alten Dame sehr dankbar, das sie in der Großstadt beim Gespräch mit dem Busfahrer zuhörte und sich an mein Ziel nun erinnerte.

Ich war übermüdet, sehr hungrig und nicht mehr ganz fit, ich lief Kreise, bergauf, bergab in dieser kleinen Stadt, da alles mit den vielen kleinen Ferien- und Wohnhäusern gleich aussah. Zum guten Schluss landete ich auf einer erhöhten Bergwiese, wo ich aber umkehren musste, da diese bezüglich Zäunen und Mauern abgesperrt war. Meine Karte zeigte die richtige Richtung an, aber eben nicht die richtigen und passenden Wege. Und spätestens während des stetigen verlaufen, bergauf, bergab merkte ich, mein Rucksack war viel zu schwer beladen. Warum hatte ich wieder mal den Fehler gemacht, zu viel einzupacken? Spät kam ich nach einer heftigen Ortsbegehung endlich am Campingplatz an. Ein mehr oder weniger familiärer Platz auf dem Hof einer Familie samt ihren Wohnhaus. Mitten im Ort. Zum falschen Zeitpunkt, weil leider auch ohne irgendwelche essbaren Angebote. Zumindest das kalte Bier aus dem Kühlschrank hätte ich für 4,-€ kaufen können. Für den Moment ein zu teures Luxusgut für meine erste Nacht, worauf ich verzichtete.

Fix und schnell hatte ich das Zelt aufgebaut, sah das ein oder andere Wohnmobil auf weiteren Parzellen und ging so schnell es ging in Richtung Strand und der Promenade, um noch ein wenig Strandfeeling, aber auch um eine Möglichkeit zum Essen zu finden. Erstes ging gut, für letzteres war ich leider zu spät dran.

Abendliche Bild- und Filmaufnahmen, die ich machte, wo es teilweise noch so unwirklich wirkte nach der Herbst und Winterzeit, hier wieder an der bretonischen Küste zu sein, frei und gewillt, weitere Touren anzugehen. Ohne zu wissen, was mich dieses mal, eben sehr viel anders, auf dem GR34 erwarten würde. Coole und lustige Abendaufnahmen mit Sonnenuntergang, chillige Menschen am Strand, ich war tatsächlich angekommen. Endlich merkte ich wieder seit vielen Wochen und Monaten ein Stück Freiheit in mir. 
Ein Stück? - es waren Brocken, Felsen, - ich war wieder ich, und in der für mich richtigen Region.
Störend war an diesem Ort lediglich dieses Gebäude, ein Casino. Ach hier bin ich gelandet dachte ich, auf der Terrasse glitzernde junge Menschen, die sich mit erhobenen Glas in der Abendsonne fotografieren ließen, während ich großen Hunger hatte, und etwas neidisch bezüglich deren Privilegien war. Doch gedanklich war es in mir sehr schnell wegen des Neids bereinigt, für den damaligen eigenen Zustand war ich selbst verantwortlich und schuld. Daher, fix noch Fotos gemacht von den grölenden Yuppies auf dem Casinobalkon, und schnell weg. In den naheliegenden Gassen fand ich noch gut gefüllte Eisdielen, wie auch Bistros mit vielen Zuschauern bezüglich des Fußballendspiel der Champions-League, zum essen fand ich um die Zeit gegen 22.00h aber nichts mehr. Somit kam ich müde und halb verhungert am Zeltplatz an, legte mich in den Schlafsack und schlief halb kauend an einem Reststück Baguette vom nun vergangenen Tag ein.
Ich war so müde, das ich den Hunger kaum spürte.

 

















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