Montag, 26. Dezember 2022

Tourtag 03 Rotheneuf - Saint-Malo

Zu Beginn meines vorerst letzten Tourtag waren viele Dinge eingespielt. Eigentlich hätte die Zeit vor Ort länger andauern dürfen. Aber es war ein Versuch in der damaligen Woche, ob es überhaupt für mich möglich ist, zwecks einer solchen Tour auf einem fernen Fernwanderweg. Und ich musste nicht lange darüber nachdenken, ob ich zurückkehren würde, um den Weg weiter zu gehen. Diesen Weg dachte ich, muss ich für mein Ego weiterhin in meinem Lebensplan mit aufnehmen, koste es was es wolle.
Nun zum Tagesprogramm an dem Tag, nämlich zuerst mit Frühstück an der Rezeption des Camping-Platz und dann dem täglichen Weg zur Bushaltestelle nahe des Fischhafens von Saint-Malo.






Der Bus brachte mich bei blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein nach Rotheneuf. Dort begann ich exakt dort wieder die Tour, wo ich sie am Vortag beendete.
An der kleinen Kapelle Notre-Dame des Flots, welche ich am Vortag noch kurz entdeckte.  
Dieses Mal schaute ich mir recht entspannt das kleine Gebäude an, fotografierte kleine Skulpturen und kniete mich auf die Stufe am Eingang, um mit einem kurzen Gebet zu danken.
Zu danken, das ich bis hierhin alles unbeschadet und gesund erleben durfte. Und mit der Bitte, diesen Traum weiter leben zu dürfen. Da zu meiner weiteren Strecke viele kleine und große Kirchen, Kathedralen oder kleine Kapellen gehörten, war es jedes mal ein Stück Ritual, die Räumlichkeiten wenn offen zu betreten, dort kurz zur Ruhe zu finden, und Dankesworte auszusprechen.

Ich war sehr gespannt auf das nächste Highlight, Les Rochers Sculptés, dem steinernen Skulpturenpark. Steinskulpturen stehen dort am Meer, die Adolphe Julien Fouéré von 1894 bis 1907 in die Felsen meißelte, da er aufgrund eines Schlaganfall sein Amt als Geistlicher nicht mehr wie gewohnt ausüben konnte. So tauschte er den Alltag zwischen gewohnter Priesterarbeit zu körperlich schweren Kunstarbeiten an diesem steinernen Abhang. Der Eintritt lag zwischen 2,- bis 3,-€. Ein Klacks für das, was einem geboten wird. Mir gefiel es deswegen so gut, weil hier alles im Einklang mit der Natur gleich geblieben ist. Und wie kann es anders sein, farblich und bildlich passten die Meeresmotive wie gemalt dazu. Die kleine Anlage führte über Stufen und Pfade entlang der steinernen Figuren und eingemeißelten Bodenmotive bis hinunter zum Wasser. Urige Figuren wechselten sich mit tierischen wie auch menschlichen Formen ab. Von schlechten Wetter abgesehen muss es ein besonderes Arbeiten dort gewesen sein, täglich über viele Jahre dort mit dieser Kulisse.

Davor lagen kleine felsige Inseln, die mit der aufkommenden Ebbe Stück für Stück frei gelegt wurden. Zum Teil führten von Hand gefertigte Stein- und Mauerwege dort hinaus. Diese gesamte Kombination von vielen Motiven stempelte diesen Ort zu eine der für mich schönsten Attraktionen entlang der Küste bei Saint-Malo. Bei einer weiteren sich bietenden Möglichkeit werde ich bestimmt diesen Ort noch einmal aufsuchen. Denn wegen der Wanderziele nahm ich mir zu wenig Zeit, die Skulpturen näher und intensiver zu betrachten. Dieser besondere Ort direkt am Ufer des Ärmelkanals hat auf jeden Fall viel mehr Wertschätzung verdient.

Der Weg führte mich ein paar Meter weiter, wo ich noch einmal stoppte. Denn ein Stück weiter auf einem Felsvorsprung stand ein großes Holzkreuz, auch mit einem kleinen Hinweisschild bezüglich des Priesters. Dort konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mich direkt am Kreuz stehend fotografieren zu lassen, und das vor der zauberhaften blauen Meereskulisse.

Weiter am Plage du Val, dem Parc du Nicet und dem Plage de la Verde gab es kurze Strandabschnitte, genutzt von Jung und Alt. Man merkte mehr und mehr, das es touristischer wurde. Und trotzdem blieben die Motive entlang des Wegs recht natürlich und einzigartig. Beim betrachten der Karte merkte ich, das der Weg zumindest für diese gegangene Woche dem Ende nahte.

Denn aus der Entfernung war der Hügel bei Le Minihic schon sichtbar. Von dort war es nicht mehr weit bis zur langen Strandpromenade vor Saint-Malo.
Alte Schutzanlagen wie Fort d’Arboule wie auch La Tour du Bonheur sind dort zu besichtigen, Gräben, Betonkisten und mehr, welche im zweiten Weltkrieg der Luftabwehr wegen gebaut wurden.
Am Point de la Verde hat man nicht nur zum nahen Leuchtturm im Wasser gute Sicht, es bot auch einen breiten Blick auf den langen Strand von Saint-Malo. Dazu der weite Küstenblick in Richtung Westen, wo mit viel Geduld und scharfen Blick das Horn vom Cap Frehel zu sehen war.

Ja, tatsächlich, die Tagesetappe war nun zum Abschluss der ganzen Tour recht kurz, und dementsprechend gibt es bis auf die optischen Highlights kaum etwas zu berichten.

Bis auf den Moment, wo ich es tatsächlich schaffte mich zum ersten Mal ins Meerwasser zu wagen. Drei Tage vor Ort, und bisher nur mit den Füßen im Wasser gewesen, was aber auch ausdrückt, welchen Tagesstress ich auf dem Fernwanderweg wie diesen unterworfen war.
Kultur und eben Freude wie das Baden kamen erst zum Schluss auf, da nun die gewünschte Strecke geschafft wurde.

Kein bisschen war ich darauf vorbereitet. In den Gedanken, mein Wanderziel fast erreicht zu haben, wuchs beim Blick von oben auf den Plage du Mont der Wunsch nach Abkühlung, das schmecken und riechen von salzigen Meerwasser. Eine kleine runde Bucht mit wenigen Besuchern vor Ort.

Mir doch egal, ob ich eine Badehose mit dabei hatte, oder eben nicht. Ohne Handtuch, ohne Badehose suchte ich mir neben den anderen einen Platz, breitete meine Jacke aus und setzte mich mit der noch übrig angezogenen Unterhose in den feinen Sand. Zum ersten Mal in den Tagen, wo ich zeitlos in der Sonne entspannen konnte, ich trat in das Wasser um die nötige Abkühlung zu genießen.
Yeahhh, zum ersten aber vorerst auch letzten Mal komplett im bretonischen Meer. Mein erstes Ziel war erreicht. Weitere Minuten, die ich liegend in der Nachmittagssonne verbrachte, teils schlummernd und ausruhend. Bis der Moment kam, wo es kühl an den Füßen wurde. Ich blickte auf, sah das Wasser schon sehr nahe, welches wenige Minuten vorher noch einige Meter weit weg war. So schnell hatte ich es nicht erwartet.

Meine Wandertage waren nun beendet und immer noch schwor ich mich darauf ein, auf jeden Fall weiter zu machen.

Mit noch mehr Planung und Geduld wird es körperlich zu packen sein, in regelmäßigen Abständen für einige Tage hier on Tour zu sein. Denn viel zu sehr ist es auch meine Neugierde, die mich treibt, noch mehr zu sehen, zu erleben, und zu Fuß dieses Spektakel an außergewöhnlichen Wanderweg zu schaffen.

Podcast/Hörfassung Tourtag 03 GR34meinbunterWeg


  Chapelle Notre-Dame des Flots





Les Rochers Sculptés



                                        













Saint-Malo

               




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