Montag, 23. Januar 2023

Tag 05 GR34meinbunterWeg Dinard - Lancieux

Eine neue Camping Erfahrung auf einem etwas anders gestalteten Platz.

Zeltabbau & Frühstück

Bei meiner Ankunft am Abend zuvor war nichts mit einem sonst gewohnten Zeltplatz vergleichbar. Dieser Platz galt mehr den Wohnmobilfahrern, aber auch den Festcampern, die jeweils in angebotenen Container ihre Ferien verbrachten. Rudi wurde angewiesen, über den ganzen Platz zu gehen, um hinter einer Hecke auf einen Rasenplatz Ausschau zwecks Zeltfläche zu halten. Dieser war direkt neben einem großen Fußballplatz, wo kaum Campingidylle aufkam. Qualitativ nichts daran auszusetzen, ich war allein vor Ort, es war weiter weg zu den sanitären Anlagen zum duschen, und oh Schreck, es war merklich teurer als wie mein geliebter Platz davor in Saint-Malo. Ein Genuss war es dafür, am Abend die Gastronomie am Strand aufzusuchen. Es war gemütlich. Die Sonne ging am Horizont unter, das Wasser rollte sanft mit seinen Wellen zum Strand, dazu fröhliche Menschen, die bei cooler Music relaxt kommunizierten.
Der neue Tag sollte wieder einmal der nächste Höhepunkt der bisherigen Begehung des GR34 mit einem schönen Strandweg sein. Es sollte nach Saint-Briac-sur-Mer gehen. So fein wie sich der Gemeindename anhört, so fein ist die Kurstadt, so edel und fein sind unterwegs die einzelnen Strände. Es wurde etwas anstrengender, aber dieser bunte Weg war es wirklich wert. Hoch und runter ging es bis zum Pointe-du-Nick. Dahinter um die Kurve gegangen staunte ich zwecks der Ansicht. Der nun zu sehende Strand mit den bunten Segelbooten, die Prachtbauten von Saint-Lunaire boten eine schöne Kulisse. Die zusätzliche Landzunge Pointe-du-Decolle rundete alles ab. 
Kurios, im folgenden Winter sah ich daheim einen Film mit der Handlung zweier Brüder mit diesem Ort. Der eine wohnte in Paris als Schriftsteller, der andere an der bretonischen Küste. Beide trafen sich nach langer Zeit wieder, um nach dem Tod des Vaters das Strandhaus mit dem Grundstück zu verkaufen. Der Film- und Drehort war Saint-Lunaire. Nach betrachten meiner Fotos erkannte ich das Haus direkt wieder und war gebannt von der Filmstory. Viele Filmszenen fanden tatsächlich auch dort am Strand statt. Wie ich dann weiter ging, stand ich auf einmal an einer langen felsigen Wand, wo wieder einmal schmale Treppenstufen zu einigen Grundstücken hinauf führten. Ich stand erst einmal da und staunte nicht schlecht. Denn an langen Seilen, Tauen oder Ketten befestigt tanzten kleine bunte Boote im noch wenigen Wasser. Viele waren angebunden an im Wasser stehenden Holzpfählen, dazu waren viele andere Seile befestigt an vorhandenen Halterungen in der Felsenwand. Mein Glück, es war ein Zeitpunkt mit ablaufendem Wasser, so konnte ich an die frei liegenden Stege oder an improvisierten Bretterwegen entlang gehen oder klettern. Eine gute Stunde vorher wäre es vielleicht wegen dem Wasser gar nicht möglich gewesen. Somit hatte ich von oben nun prächtige Blicke und Motive mit den vielen Booten und den davor liegenden Granitinseln. Ein landschaftlich buntes Bild, welches bis heute in mir eingeprägt ist, welches ich gerne schon mal wenn es mir schlecht geht, aus meiner gedanklichen Schublade heraushole.

Im nach hinein bekomme ich jetzt noch einmal Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke und mir die Situation noch einmal vorstelle. Bunt die Wellen und die Boote, und wie eine sachte Hymne das klirren der Metallketten, wie angedeutet befestigt im Wasser. Ein Ort, wo ich weiß, dass ich später noch einmal sein möchte, um dies etwas länger zu genießen. Eine Chance dafür gab es schon. Ich war so nahe dran. Unterwegs mit Julia, meiner Tochter, beging ich den Weg bis kurz hinter Dinard noch einmal. Ich war gierig diesen Platz, diese Strände noch einmal entlang zu gehen, ja, und um einen nahen Menschen das Beschriebene zu zeigen. Leider mussten wir abbrechen und ein Stück vorher in Richtung Landstraße gehen, da uns die fast 40° sehr zu schaffen machten. Die Abkürzung nach Lancieux, dem Tagesziel war nötig, da der Rest mit dem Linienbus gefahren werden musste.
In der Mittagssonne saß ich angekommen am Kai um Pause zu machen, dazu der glitzernde Kies vor meinen Füßen, und der schon beschriebene Klang der Ketten und Winde an den Booten. Eine steile Treppe führte zum Pointe-du-Décollé. Einem Aussichtspunkt mit einem großen Betonkreuz. Wieder einmal ein weiter Blick, und schon ein Stück weiter, um das Cap Frehel in der Ferne zu sehen.
Ich merkte zunehmend, das der Strandsand kein bisschen mit bisher von mir gesehenen vergleichbar war. Je nach Sonnenschein, Belichtung und ablaufenden Wasser stellte ich fest, dass es eine Farbmischung aus braun-beige und golden war. Ja, ich war hier verdammt nochmal auf goldenen Sand unterwegs. Ich, der nun heilige Strandläufer mit ausgeprägter Phantasie in der heißen Sonne.
Aber ernsthaft, dem Thema später nachgegangen, stellte sich heraus, das durch die immer wieder heftigen Reibungen des Wassers an den Granitfelsen feine Staubteilchen den Sand veränderten.
Kein Stück langweilig war diese Tagestour, ich umrundete irgendwann den Plage du Perron und hatte Sichtweite zum Yachthafen von Saint Briac sur Mer. Eine Wasser- und Trinkpause nutzte ich um einen naheliegenden Zeltplatz zu finden, der dann in Lancieux sein sollte. Das Wasser war mittlerweile weg, die Boote lagen wie auf einem Bootsfriedhof friedlich im Sand. Viele Franzosen tummelten sich nun dazwischen mit Eimer und Schippe um traditionell Muscheln für ihr Abendessen zu sammeln. Ich für meinen Teil stellte fest, das ich hier im Hafenbecken im Sand weiter gehen konnte, warum sollte ich einen Umweg entlang der Straße gehen?
So hatte ich bildlich noch nie irgendwo Meer samt Booten erlebt, dazu die vielen kleinen Inseln einige Kilometer weiter draußen auf See.
An einer betonierten Bootsabfahrt nutzte ich eine kurze Mauer, wo ich mich von netten Franzosen fotografieren ließ. Allein unterwegs bekommt man halt selten Bilder mit sich hin.
Ich betrat die Straßen von Lancieux, diesem kleinen beschaulichen Ort mit einem Lebensmittelgeschäft, einigen Gastronomien, einem Kunsthändler, und vielen Ferienhäusern. Feine kleine und alte französische Baustile, die mit den schon südländisch anmutenden Pflanzen und Bäumen schönen optischen Flair hergaben.
Dort betrat ich einen Camping-Platz, der, weil ich gute Erinnerungen daran haben sollte, später noch einmal mit Julia besucht wurde.
Coole Besitzer, die menschlich angenehm wirkten. Freundlich, zuvorkommend, und immer für eine Antwort oder Hilfeleistung bereit. Gepflegte sanitäre Anlagen, und zufriedene weitere Camper. Auch hier war es Programm, das in der Zeit zwischen Juli und September an einem jeden Nachmittag ein Wagen mit Köstlichkeiten stand. Abwechselnd gab es unterschiedliche Händler mit den Angeboten Pizza, Crepes oder Salate. Für mich als alleiniger Zeltplatznutzer lag der Preis wieder recht günstig, nämlich bei 7,- €. Dazu 10 Minuten bis zum Sandstrand, 10 Minuten bergauf zur Hauptstraße, wo der kleine Lebensmittelhändler war, dazu für mich ganz wichtig naheliegend das Office de Tourisme und die naheliegende Busstation.
Ich fühlte mich von Anfang an sehr wohl dort, so dass ich mich dazu entschloss, meine restlichen drei Wandertage bis zum Cap Frehel von hier aus zu starten. So ersparte ich mir den dauernden Umzug und das ewig schwere Tragen meines Rucksacks. Und das ist recht befreiend, wenn man an aufeinander folgenden Tagen Strecken von 15 bis 25 Kilometer zu gehen hat. Hier an diesen Ort hatte ich alles. Freundliche Gastgeber, Lebensmittel, den Strand zum abendlichen ausruhen, und natürlich die Bushaltestelle.
Zum Busverkehr sei gesagt, das es eiserne Disziplin bedarf, den auch als Schulbus deklarierten Bus pünktlich zu erreichen. Denn ob morgens, mittags oder abends gibt es keine zusätzlichen Fahrten. Hat man eine dieser Fahrtmöglichkeiten verpasst, ist der Plan der Tour, oder gar das abendliche zurückkommen nicht möglich. Das heißt, man muss ein Taxi wählen, oder gar eine Übernachtung am anderen Ort. Dazu war es wieder sehr hilfreich, dass der Linienverkehr von zirka 30 Kilometer nicht mehr als 2,50€ kostete.
Am Abend fand ich ein schönes Bistro unterhalb der Hauptstraße, wo ich eine Kleinigkeit essen konnte. Ich saß mit meinem kalten Bier draußen, ja, und mir gegenüber an den verschiedenen Tischen die heimischen Bretonen, die bei Aperitif, Wein oder Bier ihre Tagesgeschichten erzählten. Mal ernst, oder fast singend und lachend.

Waren das schöne Momente, auch wenn ich rein gar nichts verstand. Es war dieses Feeling, das Kneipengeflüster auf bretonisch oder auch französisch.

Podcast/Hörfassung Tourtag 05

 








Die Bucht von Saint-Lunaire

Goldener Sand       
  
 
Immer wiederkehrende musikalische Ohrwürmer begleiteten mich am Tag auf der hier vorgestellten
Strecke. Wie gewohnt hörte ich im Fernbus bei der Nachtfahrt nach Paris meine eigene Musikmischung. Darunter waren auch zwei Akustikversionen, zum einen von 
Beide Songs waren gedanklich an dem Tag immer wieder intensive Begleiter neben dem rauschen des Windes und der Wellen.



Saint-Briac-Sur-Mer


            

 

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